Gefunden in Publik-Forum 8/2001

Bischof Kamphaus zur Landwirtschaft

"Tiere sind keine Autos"
A
ls Kind habe ich auf unserem Hof die Maul- und Klauenseuche erlebt. Das war schlimm, aber meine Eltern konnten damit umgehen. Die Tiere wurden nicht getötet, sondern gepflegt. Das können wir heute zum Beispiel von afrikanischen Bauern lernen. Sie sehen im Verbrennen von Rindern das Symptom der Wegwerfgesellschaft des Westens: »Ist in den reichen Gesellschaften etwas kaputt, wird es weggeworfen. Eine Kuh mit Maul- und Klauenseuche ist zerstört. In armen Gesellschaften wird ein krankes Tier gesund gepflegt, was kaputt ist, wird repariert.«


So geht es nicht weiter, aber wie kann es weitergehen? Wir brauchen ein Umdenken in der Agrarpolitik. Politik und die Landwirtschaftsverbände müssen sich bewegen. Im Agrarsektor kommt die Globalisierung an ihre Grenzen. Lokale Produktion und Vermarktung sind angesagt. Was wir erleben, hat auch zu tun mit der Industrialisierung der Landwirtschaft. Agrarindustrie - dieses Wort ist verräterisch. Es verbindet, was sich nicht verbinden lässt. Tiere sind keine Autos und Bauern sind keine Ingenieure. Landwirte müssen über ihr Berufsethos nachdenken.

Wir Verbraucher müssen uns ändern. Die Kosten für Lebensmittel sind in den letzten zwanzig Jahren von 20 auf 12 Prozent des Nettolohns gefallen. Immer mehr und immer billiger - die Verbrauchermärkte auf
der grünen Wiese bedienen uns mit dem, was wir verlangen. Qualität hat ihren Preis, erst recht wenn es um Lebensmittel geht. Wir haben es in der Hand, uns auf den Weg von der Überflusswirtschaft zur Einflusswirtschaft zu begeben. »Gut leben statt viel haben.« Dieses Motto ist das Ergebnis der Studie »Zukunftsfähiges Deutschland«. So wandelt sich eine verschwenderische Wirtschaftsweise in ökologischen Konsum ohne Naturausbeutung und in Fairness gegenüber der Dritten Welt.

Ich teile die Empörung vieler Menschen angesichts der geplanten Massenvernichtung von Tieren aus Gründen der Preispolitik. Aber ich bin dagegen, dass wir dieses »überflüssig« gewordene Fleisch einfach in die Länder der so genannten Dritten Welt weiterreichen. Indem wir unsere Märkte stützen, destabilisieren wir die lokalen Märkte in der Dritten Welt auf Kosten der Armen. Warum geben wir das Geld, das allein der Transport des Fleisches die deutschen Steuerzahler kosten wird, nicht dafür aus, in Asien Lebensmittel für Nordkorea zu kaufen? Das wäre als Nothilfe effizienter und entwicklungspolitisch sinnvoller.
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Dies sagte der Bischof von Limburg beim Besuch eines Bauernhofes im Westerwald

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