Der Friedensvogel

Eines Tages, als immer mehr Kriege auf der Erde stattfanden und die Menschen gegeneinander rüsteten, kritisierten die Vögel die Taube. "Du kannst nicht weiter das Symbol des Friedens sein", sagten sie zur Taube, "du blamierst uns alle. Du bist viel zu sanft und zu scheu, als dass dir die Menschen folgen würden".

Sie wählten den Adler als Friedensvogel. Der Adler kreiste hoch in den Lüften und sah mit sicherem Blick alles, was den Frieden störte. "Man muss Gebote erlassen und strenge Anweisungen geben", sagte der Adler. "Wenn Friede befohlen wird, dann wird er auch gehalten." Aber die Menschen kümmerten sich nicht um die Befehle des Adlers.

"Lasst mich euer Friedensvogel sein", rief der Falke. "Ich habe einen spitzen Schnabel und scharfe Krallen. Ich werde den Frieden mit Gewalt erreichen." Die Vögel stimm en zu. Jetzt gab es viel Leid und Streit auf der Welt. Die Menschen bekämpften sich. Am meisten litten die Kinder und die Alten. Nur den Frieden, den gab es nicht.

Da meldete sich der Geier zu Wort. Die Vögel mochten ihn nicht, weil er totes Fleisch fraß. "Ihr seht", sagte der Geier; "was der Falke übriggelassen hat. Wer Frieden haben will, muss gründlich aufräumen." Das sahen die Vögel ein und wählten den Geier zum Friedensvogel. Doch überall dort, wo er hinkam; hörte das Leben auf und es trat große Friedhofsruhe ein. "So haben wir uns den Frieden eigentlich nicht vorgestellt, entsetzten sich die Vögel.

Und sie dachten lange nach. Dann baten sie die Taube: "Sei du wieder unser Friedensvogel." Die Taube, weil sie demütig und einfältig war,  nahm das Angebot an. Überall wo Streit war oder wo Krieg herrschte, flog sie hin. Wer von den Menschen ihr weißes Gefieder sah, bekam eine große Sehnsucht nach Frieden und vergaß in seiem Herzen den Streit. "Wie machst du es nur, dass die Menschen

Frieden schließen?" fragten die Vögel die Taube. "Ich gurre mich in ihr Herz", erwiderte sie. "Die Welt bekommt nur dann Frieden, wenn es in den Herzen Frieden wird."

Gerhard Ebert

Ich lade Dich ein auf das Gurren der Taube zu hören. Versuche offen zu werden für den Geist des Friedens. Das kann ich nur, wenn ich den eigenen Unfrieden, meine Sorgen vor Gott bringe.

Gebet:

Herr und Gott Du willst uns mit einem Frieden beschenken, den die Welt nicht geben kann. Dein Friedensangebot gilt heute ganz neu für jeden von uns - und besonders für die Menschen, die in den Kriegs- und Katastrophengebieten leben. Auch für sie beten wir. Amen

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